Kapitel 6
Da die Toilette im Gäste-WC verstopft war und eine Weile nicht benutzt werden konnte, musste Wentworth auf die Toilette im Badezimmer ausweichen. Und Tanner wusste immer, wann das der Fall gewesen war. Jedes Mal, wenn sie ins Bad kam, waren Toilettendeckel und Toilettenring hochgeklappt.
Der hat schon wieder im Stehen gepinkelt!
Obwohl sie bisher nicht über seine "Treffsicherheit" meckern konnte, nervte es sie doch kollosal. Es musste etwas geschehen. Sie hatte ihn schon so oft darum gebeten, nicht im Stehen zu pinkeln. Gut, wenn er nicht hören wollte…….
Es war spät in der Nacht. Wentworth betrat das Badezimmer und grinste. Er wusste wie sehr es sie nervte, dass er im Stehen pinkelte. Eigentlich tat er das früher nie, aber allein die Tatsache zu wissen, dass sie sich darüber ärgerte, ließ ihn schmunzeln. Schnell stellte er sich vor die Toilette und ging seinem Bedürfnis nach. Was dann geschah, ließ ihm die Zornesröte ins Gesicht schießen….und das war nicht das einzige was schoss.
Er fluchte, machte das Licht am Spiegelschrank an: sie hatte Frischhaltefolie über die Toilette gespannt und er hatte sich gerade selbst angepinkelt. Seine Boxershorts waren nass und auch seine Füße standen nicht mehr im Trockenen. Wutschnaubend über dieses Malheur nahm er die Rolle Toilettenpapier, säuberte erst sich und entfernte dann die umliegenden Pfützen.
"Diese kleine Hexe…na warte, das gibt Rache!", fluchte er leise vor sich hin.
Tanner lachte leise in sich hinein. Sie hatte gehört, wie er Richtung Badezimmer taperte und war ihm leise gefolgt. DER würde sich überlegen, noch mal im Stehen zu pinkeln!
Wentworth war wütend. Während er das Badezimmer säuberte, fiel sein Blick auf die Ablage unter dem Spiegel…..
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Tanner hatte bereits vor dem Frühstück mit ihrem Anwalt gesprochen und ihm den unerträglichen Sachverhalt erklärt. Lächelnd trat sie aus der Dusche, trocknete sich ab und putzte sich die Zähne, während sie ihren Gedanken nachhing. Gleich hatte sie einen Termin mit dem Anwalt und würde erfahren, wie sie am besten vorgehen könnte.
Grinsend griff sie Richtung Regal…..
Wentworth saß gerade im Sessel im Wohnzimmer und studierte ein Drehbuch. Es gefiel ihm, wäre eine brauchbare Alternative zu den beiden anderen Drehbüchern, die ihm sein Agent vor einigen Tagen gebracht hatte. Als Tanner mit lautem Fluchen in den Raum gepoltert kam, sah er auf und musste sich ein Lachen verkneifen.
Ihre Haare standen nach allen Seiten ab und ihr gesamtes Gesicht wie auch die Haare waren weiß…..und voller Mehl.
"Oh, was ist denn das? Merkwürdiger Fall von rasanter Verkalkung?" Er konnte sich kaum ernst halten, sie sah einfach zu niedlich aus, wie sie da wie eine kleine Furie vor ihm stand.
"Das waren doch Sie, Sie elender…...", brauste Tanner auf. "Sie haben mir doch das Mehl in den Fön gefüllt, Sie…..Sie…" Tanner fand kaum die richtigen Worte, so wütend war sie.
"Sehen Sie es doch einfach als kleine Revanche an. Jetzt sind wir quitt!" Er stand auf und ließ sie einfach stehen.
Kapitel 7
"Marcus, Du musst mir helfen, dieser Typ bringt mich an den Rand der Verzweifelung." Tanner saß zittrig im Büro ihres Anwalts. Immer noch hatte sie das Gefühl, das Mehl klebe ihr in den Haaren und säße in ihren Poren. Sie hatte Marcus von dem Zwischenfall erzählt, wohlweislich allerdings die Sache mit der Frischhaltefolie nicht erwähnt.
"Wenn er von sich aus das Haus verlässt, gehört es Dir und das ganz ohne irgendwelche Einbuße", hatte Marcus ihr erklärt.
"Aber wie soll ich das denn anstellen? Das Haus ist rechtmäßig auch seines und freiwillig wird DER niemals gehen!" seufzte sie.
"Dann ekel' ihn doch raus. Spiel ihm Streiche. Ärgere ihn. Solange, bis es ihm reicht und er nur noch seine Ruhe haben will. Was sagtest Du ist er von Beruf?"
"Ich glaube er ist Schauspieler. Er liest dauernd irgendwelche Drehbücher und so'n Zeug."
"Schauspieler? Bekannt oder eher so was aus 'ner Daily-Soap?"
"Wieso fragst Du, Marcus?"
"Na, wenn er bekannt oder vielleicht sogar berühmt ist, dann hat er soviel Knete, dass er sich sofort was Neues suchen kann. Und dann brauchst Du kein so schlechtes Gewissen haben….."
"Da ist was dran, Marcus!" Tanner grinste böse vor sich hin.
Und somit eröffnete sie die "Operation Miller-freie Zone".
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Es war Sonntagmorgen, die Sonne stand prächtig am Himmel und es war schon angenehm warm. Grund genug, sich einen Kaffee aufzusetzen, sich gemütlich im Garten niederzulassen und die Zeitung zu lesen, genauso wie er es liebte, wenn er drehfrei hatte.
Als Wentworth die Küche betrat, stand Tanner gerade an der Kaffeemaschine. "Auch einen?", fragte sie fast liebenswürdig. Wentworth nickte verwundert.
Wieso ist die auf einmal so freundlich?
Sie goss ihm einen Kaffee ein und hielt ihm diesen dann wortlos hin. Er nahm ihn entgegen "Danke sehr." Misstrauisch roch er daran. Als sie sich dann ebenfalls einen ausgoss und einen Schluck trank, war er besänftigt.
Went griff nach der Zuckerdose und häufte sich drei Löffel in den Becher. Tanner schüttelte den Kopf. "Trinkst Du immer Kaffee in Deinem Zucker?" In den letzten Tagen waren sie einfach zum "Du" übergegangen.
"Ich mag es halt gern süß!", brummte Went und rührte seinen Kaffee um. "Solltest Du auch mal versuchen, vielleicht guckst Du dann nicht mehr so griesgrämig aus der Wäsche!", murmelte er. Tanner warf ihm einen verdrießlichen Blick zu, schnappte sich ihren Kaffee.
Wentworth nahm einen großen Schluck….und fing augenblicklich an zu würgen. "Bah, widerlich! Was ist denn DAS?"
Dieses Biest! Sie hatte scheinbar heimlich den Zucker in der Dose gegen Salz ausgetauscht. Ein Blick auf die aus der Küche entschwindende Tanner zeigte ihm, dass diese sich köstlich amüsierte. "Ich brauch' keinen Zucker, Miller. Ich habe andere Wege, mich aufzuheitern", meinte sie lachend.
Missmutig knallte Went den Becher auf die Ablage, verließ die Küche und schnappte sich sein Blackberry, seinen Autoschlüssel und sein Portemonnaie. Dann würde er halt einen Kaffee bei Starbucks trinken! Da war die Gesellschaft auch netter. Er sah sich um, suchte seine Flip-Flops und fand sie auf der Terrasse. Tanner hatte es sich inzwischen im Liegestuhl bequem gemacht und beobachtete ihn.
Went schlüpfte in seine Flip-Flops, warf ihr noch einen bösen Blick zu und knurrte "Warte nicht auf mich…..es kann dauern!" und machte einen Schritt vorwärts. Zumindest versuchte er es, dies allerdings mit nur mäßigem Erfolg. Stattdessen machte er einen Satz und knallte mit den Knien auf die Terrassen-Platten. "Ahhhrrrrr…Autsch...TANNER!!!!", schrie er und diese konnte sich vor Lachen kaum halten. Als er den Satz nach vorne machte, sah er so ähnlich aus wie Freddie Frinton in "Dinner for One", nur dass bei Went jetzt das Handy, die Schlüssel und die Geldbörse durch den Garten flogen und nicht das Tablett.
"Na, sieht mir aber so aus, als sei es nur ein kurzer Ausflug, Miller." antwortete sie und biss sich auf die Zunge, um nicht laut loszuprusten. Es war also doch eine nette Idee gewesen, seine Flip-Flops mit Sekundenkleber auf der Terrasse festzukleben.
Ich hatte Dich gewarnt, Deine Schuhe überall herumstehen zu lassen! Das hast Du nun davon!
Nachdem Wentworth sich wieder erhoben und seine schmerzenden Knie untersucht hatte, sah er sie wutentbrannt an. Es schien fast, als stiege ihm Rauch aus den Ohren. "DAS GIBT KRIEG, TANNER!", schrie er ihr entgegen, sammelte seine Habseligkeiten auf und verließ Minuten später Türe knallend das Haus.
"Ja, WENTIE, darauf freue ich mich schon......", murmelte sie.
Kapitel 8
Er saß bei Starbucks und machte keinerlei Anstalten zu gehen. Die Bedienung – sie hieß Lindsay, war honigblond und zuckersüß, also eigentlich gar nicht so sein Fall - war etwas irritiert, dass ihr Lieblingskunde, den sie bereits seit Monaten heimlich anschmachtete, nun schon den vierten Frappuccino trank und in der Ecke saß, als habe er kein Zuhause.
Sie trat zu ihm. "Alles in Ordnung mit Ihnen Mister Miller?"
Wentworth sah zu ihr auf. "Was...Ähm ja…..alles in Ordnung Lindsay….wieso fragen Sie?"
"Na, weil Sie sonst immer nur kurz vorbeikommen und Ihre Getränke mitnehmen. Und jetzt sitzen Sie hier und wollen gar nicht mehr gehen. Stimmt etwas nicht?"
"Nein nein, mir ist heute einfach nur nach etwas Gesellschaft. Könnte ich noch einen haben?"
"Sind Sie sicher, Sir? Das wäre der fünfte. Ich möchte nicht, dass Sie sich den Magen verderben."
"Vielleicht haben Sie Recht, Lindsay. Ich sollte jetzt wirklich gehen. Vielen Dank auch……" Er erhob sich und winkte ihr noch einmal zu, bevor er den Laden verließ. Sie war eigentlich ein ganz nettes Mädchen. So ganz anders als der Drache, den er gerade zu Hause beherbergte….aber wenn man ehrlich war, JEDER war netter als die Fürstin der Dunkelheit, die sich da in SEINEM Haus einquartiert hatte.
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Wentworth hatte nach seinem ausgedehnten Besuch bei Starbucks und dem Genuss von vier Extra-large Frappuccinos das Gefühl, sein Magen sei zu einem Klumpen Eis zusammengefroren. Eigentlich müsste er zu Hause noch einige Seiten des neuen Scripts überarbeiten, aber der Gedanke, dieser kleinen, dunkelhaarigen Furie über den Weg zu laufen, behagte ihm gar nicht. Also drehte er noch eine Runde um den Block, hoffend, dabei nicht dem einen oder anderen Paparazzo in die Arme zu laufen.
Als er ungefähr zwei Stunden später die Tür zum Haus aufschloss, schien alles ruhig zu sein. Von Tanner war nirgends etwas zu sehen. Auch gut, wenigstens ein ruhiger Abend schien ihm vergönnt. Er hängte seine blaue Steppweste an die provisorische Garderobe und zog die Schuhe und Socken aus. Barfuss schlurfte er Richtung Wohnzimmer, als ihn ein wohlbekanntes Bedürfnis überkam. Die Frappuccinos schienen geschmolzen zu sein und forderten nun ihren Tribut.
Tanner hatte ihm verboten, "ihr" Bad noch einmal zu benutzen. Er sollte gefälligst das Gäste-WC benutzen, doch Wentworth hatte sie lediglich feist angegrinst und ihr dezent den Stinkefinger gezeigt, worauf Tanner ihm auf den Kopf zusagte, sie würde sich etwas einfallen lassen, um ihn aus "ihrem" Badezimmer fernzuhalten.
Um Tanner und damit einer unerfreulichen Diskussion aus dem Weg zu gehen, schlich er in die obere Etage, betrat, ohne das Licht anzumachen, das Badezimmer – und schlug der Länge nach auf den Fliesen hin, wobei er mit dem Kopf etwas ungünstig auf das Waschbecken aufschlug.
Zwei Etagen unter ihm war Tanner gerade dabei, die kleine Abstellkammer als Arbeitsraum für ihre Fotoarbeiten einzurichten. Um die Fotos entwickeln und bearbeiten zu können, brauchte sie einen abdunkelbaren Raum. Während sie gerade von innen einen schwarzen Vorhang an der Tür anbrachte, hörte sie über sich ein dumpfes Poltern und einen Schmerzensschrei, gefolgt von einem lauten "TANNER!"
"Ach, der HAUSHERR ist wieder daheim.", brummte sie leise vor sich hin und grinste. "Und scheinbar hat er meine Worte, ich würde mir etwas einfallen lassen, nicht allzu ernst genommen. Tja, wer nicht hören will, muss halt fühlen!"
Unbeirrt verrichtete sie weiterhin ihre Arbeit. Sollte er doch da oben verschimmeln!
Doch nach ungefähr einer Viertelstunde bekam sie tatsächlich ein schlechtes Gewissen. Sollte sie nicht doch kurz nachsehen? Es kam schließlich keinerlei Resonanz mehr von oben. Ob er sich vielleicht doch ernstlich weh getan hatte? Na ja, zumindest konnte sie mal um die Ecke schauen. Wenn er noch am Leben war, würde sie schnell wieder verschwinden.
Leise öffnete sie die Tür – nur um in ein wütendes blau-grünes Auge zu blicken, das zu dem Gesicht gehörte, dessen Besitzer sich direkt vor ihr aufgebaut hatte und sie nun bitterböse anblickte. Das andere Auge konnte sie leider nicht erkennen, denn es verbarg sich unter einem großen tiefgekühlten Steak, das Wentworth sich auf das linke Auge hielt.
"Du bist wirklich das hinterhältigste Weibsbild, das mir jemals untergekommen ist!" wetterte er ihr entgegen. Tanner sah ihn überrascht an.
"Was hast Du?", fragte sie so unschuldig wie möglich.
"Was ich habe? Nun, das kann ich Dir sagen.", knurrte er ihr entgegen. "Ich wollte zur Toilette und bin auf den Fliesen im Bad ausgerutscht. Und als wenn das nicht schlimm genug gewesen wäre, bin ich mit dem Kopf auf das Waschbecken aufgeschlagen. DAS habe ich."
"Und wieso um alles in der Welt trägst Du ein Stück Fleisch auf dem Auge?"
"Ich versuche das Veilchen zu kühlen, das ich mir beim Aufprall auf das Becken geholt habe und das ich allein DIR verdanke, Du elendes Miststück!"
"Jetzt stell' Dich mal nicht so an, Du Weichei. So schlimm wird das schon nicht sei….." weiter kam sie nicht, denn Wentworth hatte das Steak vom Auge genommen und sie sah das Ausmaß der Verletzung. Er hatte ein geschwollenes blaues Auge und sah aus, als sei er einem Preisboxer zu nahe gekommen.
"Au backe!", entfuhr es ihr und sie sah ihn unbehaglich an. Sie wollte ihn ärgern, ihn vom Bad fern halten, aber sie wollte ihm keine Schmerzen zufügen. "Wentworth,…….auch wenn Du mir das jetzt nicht glaubst, aber DAS wollte ich nicht. Komm' setz Dich auf den Stuhl da, ich seh' mir das Auge mal an."
"Halt Dich fern von mir, Du Ausgeburt der Hölle! Fass mich bloß nicht an. Wer weiß, vielleicht wächst mir sonst noch ein drittes Auge!" Er drehte sich um und verließ den Raum. Tanner ließ sich auf den Stuhl nieder. Diese Streiche waren ja ganz nett, aber sie hatte nicht damit gerechnet, dass er sich so sehr verletzen würde.
Er ging ihr den Rest des Abends aus dem Weg, kühlte sein Auge und hoffte, dass es bis zu den Verhandlungen mit der Produktionsgesellschaft wieder einigermaßen abgeklungen wäre. Doch er sann auf Rache. Das konnte er einfach nicht durchgehen lassen. Bisher waren seine Boshaftigkeiten ihr gegenüber rein verbal gewesen, aber nun war Schluss mit lustig! Er würde ihr etwas von ihrer eigenen Medizin zu schlucken geben! Wenn sie partout nicht anders wollte…auch ER hatte noch so einiges in petto!
Kapitel 9
Die Sache mit der Butter auf den Fliesen war schon ganz schön fies…...
Tanner musste einsehen, dass es Zeit war das Kriegsbeil zu begraben. Sie würde zu ihm gehen und sich bei ihm entschuldigen. Es musste doch einen Weg geben, dass die beiden vernünftig miteinander umgingen.
Nach der Sache mit dem blauen Auge war er ihr einige Tage aus dem Weg gegangen, hatte ihr nicht mal die Möglichkeit gegeben, sich zu entschuldigen. Sie hatte sogar überlegt, ihm etwas Leckeres zu kochen. Aber immer, wenn er sie sah, schlug er einen Haken und verschwand in seinem Zimmer. Sie respektierte seinen Teil des Hauses und hielt sich zurück. Irgendwann musste er ja mal wieder raus kommen und irgendwann würde sie die Chance haben, mit ihm zu reden.
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Sie stand in der Waschküche und sortierte ihre Wäsche. In einem Korb neben der Waschmaschine hatte sie ihren blauen Lieblingskaschmirpulli geworfen, ebenso wie ihre teuren Victoria's Secret-Dessous, die sie sich nach dem Erhalt ihres ersten großen Fotoauftrags geleistet hatte. Sie warf ihre normalen Wäschestücke in die Waschmaschine, füllte Waschmittel ein und stellte die Zeituhr an. Sie hatte noch einige Besorgungen zu machen für den nächsten Fotoauftrag und somit wäre die Wäsche fertig, wenn sie wieder nach Hause käme.
Pfeiffend verließ sie die Waschküche, zog die Schuhe an und schnappte sich ihren Autoschlüssel. Wentworth war nirgends zu sehen, also schrie sie in den leeren Flur "Du kannst aus Deinem Versteck kommen, ich bin die nächsten 2 Stunden unterwegs." Dann verließ sie das Haus.
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Kaum hörte Wentworth die Haustür ins Schloss fallen, kam er aus seinem Zimmer, atmete tief durch. Endlich! Er würde jetzt erst einmal in Ruhe seine Wäsche waschen.
Kurze Zeit später stand er Kopf schüttelnd vor der Waschmaschine. Sie war ihm doch tatsächlich zuvorgekommen, hatte ihre Wäsche in die Maschine geschmissen und dann auch noch die Zeitschaltuhr eingestellt. Nein, das ging auf keinen Fall. Außerdem war die Maschine nur zur Hälfte gefüllt. Eine solche Energieverschwendung würde er keinesfalls zulassen. Er stoppte die Zeitschaltuhr, öffnete die Maschine und stopfte einige seiner Boxershorts und Socken hinein.
Es war immer noch Platz. Also sah er sich um. Da lag doch noch andere Wäsche im Korb. Er warf weitere Wäsche in die Maschine. "Mist, bei wie viel Grad hatte sie die Maschine denn jetzt eingestellt?" murmelte er vor sich hin. Er öffnete die Tür der Maschine, sah sich die Wäschestücke noch einmal an und entschied sich kurzer Hand für 60 Grad. Immerhin war ihre fleckige Jeans auch dabei und die würde bei 40 Grad sicher nicht sauber.
Wentworth schloss die Trommel und startete den Waschgang.
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Ungefähr zwei Stunden später erschien die "Königin der Dunkelheit" wieder, warf Wentworth, der lässig auf der Couch lag und fern sah, einen missmutigen Blick zu und verschwand kurz darauf Richtung Waschküche. Es dauerte keine 10 Minuten, da ertönte ein gellender Entsetzensschrei von unten und keine 2 Minuten später stand Tanner mit hochrotem Kopf im Wohnzimmer vor Wentworth.
Sie versuchte ruhig zu bleiben, leider gelang ihr das nicht allzu lange. "Warst Du an der Waschmaschine?" knirschte sie ihm entgegen.
"Ja!" erwiderte er.
"Und hast Du noch andere Wäsche von mir in die Maschine gesteckt?"
Lässig schwang Wentworth seine Beine vom Sofa und lächelte sie gönnerhaft an "Jepp! Aber Du brauchst Dich dafür nicht zu bedanken…..hab' ich doch gern gemacht!"
"Du dämlicher Einfaltspinsel! Nicht genug, dass Du meinen besten Kaschmirpulli und meine Dessous mit in die Maschine gesteckt hast……."
"Darüber wollte ich sowieso noch mal mit Dir reden. Es ist reine Energieverschwendung, die Maschine nur halb zu füllen, daher habe ich…", begann er sie schulmeisterlich zu informieren, wurde aber von ihrer hervorschnellenden Hand umgehend gestoppt.
"Du bist doch wirklich dämlicher als die Polizei erlaubt, Miller! Das war Handwäsche, die gehört nicht in die Maschine. Aber das wäre ja nicht mal so schlimm. Dass Du danach die GESAMTE Wäsche aber noch in den Trockner gesteckt hast, schlägt dem Fass wirklich den Boden aus! Sieh' her was Du angerichtet hast!"
Tanner hielt ihm einen Pullover vor die Nase, der ihr wohl irgendwann mal gepasst haben musste. Jetzt passte er allerdings nur noch einem Kleinkind. Went biss sich auf die Zunge, als er ihren Gesichtsausdruck sah. Doch als sie ihm dann noch einen ihrer teuren BHs vor die Nase hielt, war es um ihn geschehen. Laut prustend fiel er nach hinten aufs Sofa. "Ich hoffe, Du hast noch irgendwo ne Barbiepuppe, der dieses Teil passt!", grölte er und konnte sich vor Lachen kaum zusammenreißen.
Doch dann sah er ihre Augen und die Tränen, die sich darin sammelten und augenblicklich verstummte er. "Bravo Miller, das hast Du wirklich großartig hinbekommen.", war alles was sie dazu noch sagte, dann drehte sie sich um und verließ den Raum. Zurück blieb ein ziemlich bedröppelt dreinblickender Wentworth.
Kapitel 10
Er hatte ein schlechtes Gewissen – ein ÄUSSERST schlechtes Gewissen. Und dieses schlechte Gewissen trieb ihn zur 189 Grove Drive. Diesmal allerdings nicht, um sich in den Pacific Theatres den neuesten Film anzuschauen. Sein Ziel war nun ein anderes.
Etwas verlegen betrat er den Laden und sah sich um. Hoffentlich erkannte ihn hier niemand, das könnte echt peinlich werden. So unbeteiligt wie möglich sah er sich um, begutachtete die wundervoll ausgelegte Ware auf den Tischen und auf den Ständern.
Oh Du meine Güte…SOVIEL Auswahl? Wofür soll ich mich bloß entscheiden? Ich kenne doch ihren Geschmack gar nicht. Wahrscheinlich wäre sowieso alles falsch, für das ich mich entscheide. Also kann ich genauso gut direkt nach MEINEM Geschmack gehen.
Diskret verschwand er zwischen zwei Ständern, um sich ein genaueres Bild zu machen und vor allem, um aus dem Blickfeld der anderen – hauptsächlich weiblichen – Kundschaft zu verschwinden. Wenn ihn hier jemand erkennen würde, wäre diese Info wahrscheinlich innerhalb der nächsten 20 Minuten über Twitter verbreitet. Wenn bereits Stunden, nachdem ihn irgendwer bei einer Broadway-Aufführung in New York gesehen hatte ein Tweet im Internet erschienen war, auf den sich die Massen stürzten, dann wäre DIESE Umgebung hier ein gefundenes Fressen für die Medien.
Gerade, als eine junge Frau in seine Richtung sah, tauchte er dezent hinter einen der Wäscheständer und sah etwas, das seine Aufmerksamkeit erregte. Tja, erregen war wohl bei diesen Kleidungsstücken sicherlich der richtige Ausdruck. Welchen Mann würde so etwas kalt lassen?
Er sah sich das Teil an. Es war ein erdbeerfarbenes Panty-Set. Gerade wollte er einen genaueren Blick darauf werfen, als er hinter sich eine Stimme hörte. "Kann ich Ihnen helfen, Sir?"
Erschrocken fuhr er zusammen und drehte sich um, wobei er fast den Wäscheständer umwarf und sah in das lächelnde Gesicht einer jungen Frau, scheinbar eine der Verkäuferinnen. "Ja…nein…..also….ähm, ich…." stammelte er los und kam sich so unsagbar dämlich dabei vor. Wofür sollte er sich schämen, das war doch hier was ganz Natürliches.
"Was genau suchen Sie denn? Einen BH, oder ein Set aus BH und Slip oder vielleicht….." sie zeigte auf das Set, das er näher begutachtet hatte "…..ein Panty-Set?"
"Hmm…ja wissen Sie….ich weiß nicht so genau", stotterte er immer noch. Doch scheinbar schien die Verkäuferin sich mit der Sparte 'unsichere männliche Klientel' auszukennen und klopfte ihm behutsam auf den Arm. "Keine Angst Sir, wir finden schon das Richtige. Für wen soll es denn sein? Für Ihre Frau?"
Irritiert sah Wentworth sie an. "Frau…? Ähm, nein, ich bin nicht verheiratet."
"Oh, dann für ihre Freundin?"
"Was? NEIN, Gott bewahre, sie IST nicht meine Freundin!" Das kam jetzt irgendwie zu schnell aus seinem Mund.
Wentworth, vor Einschalten des Mundwerkes Gehirn einschalten. Was soll diese Frau von dir denken?
Die Verkäuferin war in der Tat ein wenig irritiert. "Ja, für wen soll es denn dann sein?"
Wentworth setzte an. "Also ehrlich gesagt ist es für eine Frau….na ja, das konnten Sie sich sicher denken…..", murmelte er. "Wir wohnen im selben Haus und eigentlich mögen wir uns gar nicht besonders, aber ich habe ihre Wäsche…"
Wentworth sah den 'sehe-ich-so-aus-als-interessiere-mich-Deine-Lebensgeschichte'-Blick der jungen Frau und verstummte augenblicklich, holte einmal tief Luft. "Ach wissen Sie…..ist auch eigentlich unwichtig. Zeigen Sie mir doch einfach irgendwas Nettes in dunkelblau oder schwarz." Mit diesen Farben konnte man doch sicher nichts falsch machen.
Die Verkäuferin – auf ihren Schild stand Doreen – schüttelte den Kopf. "Ginge es vielleicht ein wenig präziser, Sir? Immerhin wollen wir doch hoffen, dass ALLE unsere Dessous 'nett' sind, oder?" Leicht verschnupft sah sie ihn an und Wentworth hatte nichts Eiligeres zu tun, als ergeben zu nicken.
Also zog sie ihn zu den klassischen Dessous – Spitzen-BH und Spitzenslip. Sie zeigte ihm einige Sets und betonte dabei, dass er vorab erst einmal entscheiden solle, welches Set ihm gefiele.
Schnell entschied er sich für einen klassisch geschnittenen, doch trotzdem raffinierten Spitzen-BH in schwarz mit passendem Slip. Einen Moment besah er sich das Set, schien mit seinen Gedanken ganz weit weg zu sein.
Wie sie wohl in diesem Teil aussehen würde…...Reiß Dich zusammen Miller, sie ist die Tochter des Teufels!
Das dezente Räuspern von Doreen holte ihn wieder in die Wirklichkeit zurück. "So, dieses Set gefällt Ihnen also, Sir?"
"Hmm...?...Ähm….ja ja…..ganz nett…ganz nett." murmelte Went immer noch etwas abwesend.
"Dann bräuchte ich jetzt nur noch die Größe der Dame", fuhr Doreen fort und sah Wentworth freundlich an.
"Wie bitte?" Went erwiderte ihren Blick ebenso freundlich, allerdings ein wenig ratlos. Woher zum Teufel sollte er Tanner's Größe kennen?
"Na, die Form. Sir. Welche Form hat denn der Busen?"
Wollte die ihn auf den Arm nehmen? "Rund natürlich! Oder haben Sie schon mal einen eckigen Busen gesehen?"
Doreen schloss kurz die Augen, atmete einmal tief durch. "Nein, Sir, ich meine, wie sieht der Busen denn aus?"
"Also SO nah stehen wir uns nicht!"
"Könnten Sie dann vielleicht wenigstens raten? Apfel oder Birne?" Doreen war am Rande eines Nervenzusammenbruchs.
"Wie, Apfel oder Birne? Ich will doch kein Obst kaufen, ich brauch' einen BH!"
Langsam verlor sie die Geduld. "Ich meine, hat der Busen die Größe eines Apfels oder eher den einer Birne?"
Jetzt war er komplett verwirrt, zeigte mit den Händen hilflos etwas, das sie umgehend mit dem Kommentar "Okay….also eher Melone." kommentierte.
Wentworth lief rot an, wedelte wild mit den Händen "Oh…nein nein…" stotterte. Leider war das alles, was ihm dazu einfiel.
Doreen machte noch einen letzten Anlauf. Männer waren meistens praktisch veranlagt. "Sir, so kommen wir nicht weiter. Ich brauche wenigstens die ungefähre Größe. Was würden Sie sagen….eine Hand voll, oder zwei Hände voll…?"
"Wie gesagt…..SO gut kennen wir uns nicht." Er sah sich hoffnungslos um und entdeckte eine Frau, die von Statur und Größe ungefähr Tanner entsprach. Er zeigte auf sie. "Ungefähr so…." ,erwiderte er.
Erleichtert seufzte Doreen. Das war ja immerhin ein Anfang.
Es ist doch immer wieder herlich zu lesen wie die beiden sich anzicken.
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